Impfen – von freien Entscheidungen und der festen Überzeugung, dass diese bleiben müssen

Fast 7 Jahre alt ist unser Grundschulmädchen und seit dem begleitet mich das Impfthema. Nein, eigentlich sogar schon etwas länger. Als ich im Jahr 2010 schwanger war, wurde vor einer großen Grippewelle gewarnt und seitens meines Frauenarztes dringend zur Grippeimpfung geraten. Und dann gab es die Gegenstimme meiner Hebamme, nicht weniger deutlich und mit ebenso vielen Argumenten gegen das Impfen einer schwangeren Frau. Und ich stand da – fühlte mich plötzlich ziemlich hilflos und vor einer riesen Entscheidung und noch mehr Verantwortung.

Unser Wunschbaby wurde im März 2011 geboren und als pflichtbewusste Mama nahm ich alle U-Termine überpünktlich wahr und mit der festen Überzeugung, genau das zu tun, was der Kinderarzt uns für unser süßes Wunschkind empfehlen würde. Bei der Vorsorgeuntersuchung U3 sollte unser kleines Mädchen mit sechs Wochen ihre erste Impfung bekommen, so die Empfehlung der  STIKO „Ständige Impfkommission“, ich war durch die vielen Broschüren, die bereits während der Schwangerschaft ins Haus geflattert waren sehr gut auf diesen Impftermin vorbereitet (so dachte ich es damals). Dem Zufall geschuldet, landeten wir bei einem Kinderarzt, der nicht nach dem STIKO-Plan impft, zumindest nicht generell. Ich schreibe hier bewusst Zufall und ich bin ziemlich sicher, dass meine Sicht zum Impfen heute eine andere wäre, wäre ich nicht bei eben diesem Kinderarzt gelandet, sondern bei einem seiner Kollegen. Und manchmal. das gebe ich zu, wäre es vielleicht sogar einfach gewesen, gar nicht groß zu hinterfragen und eben nach Plan das zu tun, was die meisten Eltern und Kinderärzte tun.

Nun war da aber unser Kinderarzt, nicht mehr der jüngste, mit viel Ruhe und Gelassenheit und einer sehr langen Berufserfahrung und einer wahnsinnig vollen Arztpraxis. Unser Neugeborenes musste nicht warten und kam direkt ins Behandlungszimmer, die freundliche Praxishelferin erklärte uns, dass sie das bei den wenige Wochen alten Patienten generell so handhaben.

Unser Kinderarzt nahm sich trotz der vollen Praxis sehr viel Zeit und kam sehr ausführlich auf das Impfthema zu sprechen. Zu diesem Zeitpunkt hatte unsere kleine Maus bereits erste Hautprobleme. Ein Ekzem wurde diagnostiziert und da ich als Mama seit Kindheit an Neurodermitis leide, vermutete der Kinderarzt, dass sich eine ebensolche Erkrankung entwickeln könnte. Wer zuhause selbst ein Neurodermitskind hat, dem brauche ich nicht erklären, was das bedeutet (quälender Juckreiz, schlaflose Nächte, gekrazte Haut, der Spott anderer Kinder – vielleicht schreibe ich mal einen gesonderten Artikel zu diesem Thema).

Jedes in der Bundesrepublik Deutschland geborene Kind hat das Recht auf Leben und Unversehrtheit. Dies ist im Grundgesetz Artikel 2, Absatz 2, festgeschrieben. Eine Impfung stellt nach dieser Rechtslage per se eine „Körperverletzung“ dar: Schließlich bringen Eltern ein gesundes Kind zum Arzt und setzen es dem Risiko eines Impfschadens aus – wie gering dieses auch immer sein mag. Da Kinder noch nicht volljährig sind, erteilen die Eltern dem Arzt die Erlaubnis, diese „Körperverletzung“ zu begehen. “ – so die Worte unseres Kinderarztes. „Wussten Sie, dass die Impfempfehlungen in Österreich, Italien und Skandinavien beispielsweise ganz anders aussehen, als bei uns in Deutschland?“.

Da saßen wir nun, junge Eltern, völlig unerfahren, wie man überhaupt so ein kleines Würmchen händelt und mit wieder neuen Infos, völlig entgegen der für uns bis dahin gängigen, die wir doch in den vielen Wochen der Schwangerschaft gesammelt und sorgfältig gelesen hatten. Wollten wir überhaupt andere Informationen haben? Waren wir nicht mit der besten Absicht zu diesem Termin gekommen? Nämlich der, unser Kind vor gefährlichen Infektionskrankheiten, die hauptsächlich im Kindesalter auftreten und keineswegs immer harmlos sind, zu schützen und das ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt?

„Ich wäge sorgfältig ab. Ich habe in meiner Berufserfahrung viele kleine Patienten begleitet. Es sehe aus meiner Erfahrung heraus eine gute Chance, die Neurodermitis-Geschichte Ihrer Tochter durch einen späteren Impfbeginn und durch eine geringere Impfdosis positiv beeinflussen zu können. Ich empfehle Ihnen daher aus meiner persönlichen Überzeugung heraus das 2+1 Impfschema und einen Impfstart mit dem ersten Geburtstag.  Tatsache ist, dass Ihr Kind bei diesem Schema weniger gestochen wird und der kleine Körper im ersten Babyjahr Zeit hat, das eigene Immunsystem ohne Eingriff von außen aufzubauen“.

Wir leben nun seit sieben Jahren mit unserem ganz eigenen Impfweg. Unser Kinderarzt hat uns in diesen Jahren gut begleitet und ausführlich beraten und verschiedene Wege aufgezeigt. Wir haben unsere Impfentscheidung individuell getroffen mit Blick auf unsere Tochter und sind mehrfach von den Empfehlungen der STIKO abgewichen. Vielleicht, hätte ich ein zweites Kind, würde ich für dieses Kind eine ganz andere Entscheidung treffen. Ich als Mama habe Angst vor Komplikationen, die nach harmlosen Kinderkrankheiten entstehen können, aber ich habe auch Angst, vor Impfreaktionen, am meisten vor denen, die vielleicht Jahre später noch auftreten und im schlimmsten Fall  eine bleibende Beeinträchtigung der Gesundheit für mein Kind ergeben könnten.

Das hier ist unsere persönliche Geschichte. Wir haben uns nach diesem ersten Gespräch sehr, sehr ausführlich mit dem Thema Impfen befasst. Berichte für das Impfen gelesen, aber auch Berichte zum Impfverfahren anderer Länder. Wir haben uns unter anderem für das 2+1 Impfschema und später gegen eine Windpocken-Impfung entschieden, die Masern-Mumps-Röteln-Impfung haben wir nur einmal durchführen und anschließend zweimal im Zusammenhang mit einer anderen notwenigen Blutuntersuchung auf eigene Kosten eine Titerbestimmung durchführen lassen. Wir sind uns bewusst, dass auch die Bestimmung des Titers keine 100 Prozentige Aussage zum Impfschutz geben kann, aber schütz eine Impfung mit einer 100 Prozentigen Sicherheit vor einer Krankheit? Wir haben viele nervenaufreibende Gespräche mit Vertretungsärzten geführt und sind dem Unverständnis einiger anderer Eltern begegnet.

Unsere Tochter hat heute keine Neurodermitis und kein Ekzem mehr. Wir hoffen, dass dies so bleibt. Sie brauchte bisher keine längeren Antibiotika-Gaben.

Wir als Eltern sind dankbar, dass es Schutzimpfungen gibt, denn sie können einen Schutz vor bedrohlichen Erkrankungen vermitteln und ich als Mama bin weit davon entfernt, eine Impfgegnerin zu sein – aber ich hinterfrage die Menge der Impfgaben und den Sinn aller derzeit in Deutschland empfohlenen Impfungen. Ich bin dankbar, dass wir von Impfempfehlungen sprechen und verstehe diese auch so. Die unterschiedlichen Impfinformationen, die wir erhalten haben, haben uns als Eltern zu einer eigenen Entscheidung bewegt, hinter der wir zu 100 Prozent stehen. Ich hoffe, dass Eltern noch lange eine freie, individuelle Impfentscheidung treffen dürfen.

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Autor

Sina ist 34 Jahre alt, seit 2010 Frauchen von Herrn Bohne und seit 2011 Mama eines kleinen Mädchens. Sina arbeitet hauptberuflich in einer großen Verwaltung und berät hier viele Menschen im persönlichen Kundenkontakt. Den perfekten Ausgleich zu ihrem Beruf findet Sina in ihrer Leidenschaft des Schreibens, seit dem Jahr 2011 nicht nur leise im Privaten, sondern etwas lauter in der virtuellen Welt als Bloggerin und freie Internetautorin.
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Kategorie: Familienleben

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Liebe Sina, das ist ein hochsensibles Thema, das du da ausgesucht hast. Ich habe lange nachgedacht, wie ich es schreibe. Unser zweites Kind mussten wir aufgrund seiner dramatischen Erkrankung am Anfang seines jungen Lebens auch etwas später impfen als empfohlen. Und auch, wenn eine Impfung einen kleinen Körper sehr durcheinander bringen kann (was bei besagtem Kind jedes Mal der Fall war und u.a. in wochenlangem, stundenlangem nächtlichem Geschrei zum Ausdruck kam) bin ich bei gewissen Impfungen so ein absoluter Impfbefürworter, dass ich Nicht-Impfen fahrlässig finde. Ich spreche dabei hauptsächlich von Masern, Windpocken, Röteln.
Windpocken beim eigenen, als Kind nicht geimpften Mann zu erleben, die 4 Wochen hohes Fieber und heftige Anstrengung für seinen Körper bedeuteten, war kein Spaß. Ich war zu dieser Zeit schwanger und ich möchte mir nicht ausmalen, was gewesen wäre, wenn ich nicht sicher gewesen wäre, dass ich als Kind selbst schon Windpocken hatte und das Kind in meinem Leib geschützt war.
Selbst habe ich vor 30 Jahren so heftig die Masern gehabt, dass ich mich heute noch an die Fieber-Halluzinationen erinnere (es waren geometrische Formen…) und der Arzt auch am Wochenende an meinem Bett zu Hause saß. Da viele Menschen mittlerweile nicht mehr geimpft sind, wird es wieder häufiger zu Erkrankungen im Erwachsenen-Alter kommen. Und ob die jedes Mal so glimpflich ablaufen wie bei meinem Mann, bleibt abzuwarten. Ich denke, dass die Impfschäden wesentlich geringer ausfallen als die Komplikationen bei Ausbruch der Krankheit. Meine Kinder sind jedenfalls komplett durchgeimpft und ich habe damit das beste Gefühl.
Die liebsten und besten Grüße, Nina

Liebe Nina, ich freu mich sehr über deinen Kommentar, denn – auch wenn wir vielleicht bei der Winpockenimpfung (noch) nicht gleich verfahren haben – triffst du doch mit deinem Bericht auf den Kern meines Anliegens. Mir geht es mit dem Artikel nämlich gar nicht in erster Linie um Für oder Gegen das Impfen (denn wir passen in kein Lager, weil wir sehr individuell gemeinsam mit dem Kinderarzt entschieden haben), sondern darum, dass Eltern gemeinsam mit den Ärzten eine Entscheidung für ihr Kind treffen dürfen sollten. Und du schreibst genau das, was mir wichtig ist – ihr habt euch bei der Kleinen für einen späteren Impfbeginn entschieden aus für euch wichtigen Gründen, so wie wir damals auch. Ich wünsche mir, dass diese umfassende Beratung durch die Kinderärzte erfolgt und bin dankbar, dass wir so gut informiert wurden und wir als Eltern dann frei entscheiden durften. Ich kann deine Angst vor Krankheiten sehr gut verstehen, denn die habe ich auch (besonders vor Tetanus oder aber den möglichen Spätfolgen einer Masernerkrankung), sonst hätte ich mich gegen jegliche Impfung entschieden. Auch ich selbst hab meinen Impfstatus erst im letzten Jahr nochmals vom Hausarzt prüfen lassen. Ich hinterfrage nur die Menge der Impfungen und mich lässt es immer wieder nachdenken, dass andere Europäische Länder mit weniger Impfgaben auskommen (bei einem Urlaub in Skandinavien wäre unser Mädchen vor ihrem zweiten Geburtstag als vollständig geimpft eingestuft worden, bei uns war sie es nicht, unser KiA hat uns da eine Menge drüber erzählt). Und bei den Windpocken bin ich ebenfalls bei dir – das ist im Erwachsenenalter überhaupt kein Spaß, aber im Kindesalter eine der Kinderkrankheiten, vor der ich weniger Angst habe, als vor den möglichen Auswirkungen des Impfstoffes. Heißt aber für mich, da könnten wir zu einem späteren Zeitpunkt, wenn sie älter ist, noch impfen, hätte sie es bis dahin als jüngeres Kind nicht durchlaufen. Und das ist es, was ich hoffe, dass einfach immer wieder neu über den Impfstatus und die aktuelle Situation geschaut und drüber gesprochen werden kann. Ich habe auch gar keine Angst vor den direkten Impffolgen, auch wenn das, was du beschreibst, sich gar nicht schön anhört – egal ob MMR oder die früheren – in unserem Fall 5-fach Impfungen – sie alle hat unser Mädchen ohne die kleinste Komplikation überstanden: Meine Angst ist eher die vor Langzeitfolgen, weil ich die persönlich im nahen Umfeld kenne und das sogar gravierend. Wir haben einen für uns weltklasse Kinderarzt und auch die Ärztin auf dem Schulamt war super und hat uns sehr gut beraten, aber wir haben eben auch schon Vertretungsärzte erlebt, die gar nicht beraten haben und das macht mich traurig und ich habe einfach Angst, dass wir Eltern in unseren Entscheidungen immer mehr eingeschränkt werden (Impfen ist da nur ein Thema).

Hallo Du Liebe,
das Impfen war beim ersten Kind wie bei Euch, Termin gemacht, hingegangen und (nicht aufgeklärt) geimpft. Bei der nächsten wollte ich dann Röteln weglassen, weil er die ja schon hatte. Da hätte man dann neuen Impfstoff bestellen müssen und er wäre statt einmal zweimal gepickst worden. Der Kinderarzt meinte, dass mache nichts wir sollen die Dreifach-Impfung machen. Das haben wir dann auch getan. Beim nächsten Kind war ich informierter und ließ nicht alles impfen. Dann bekam der Sohn jahrelangen Dauerschnupfen, Allergie mit Cortisiongabe bis wir bei der Heilpraktikerin landeten die einen Impfschaden feststellte. Dieser wurde nachbehandelt und nun ist wieder alles in Ordnung, aber den Leidensweg hätte man ihm ersparen können. Deshalb bin ich auch für sparsames Impfen bzw. Nachkontrolle ob es gut verarbeitet wurde.
In der Schule bekamen wir dann allerdings Probleme, da nur Kinder mir vollkommenem Impfschutz mit ins Schullandheim genommen werden wollten. Ein Gespräch mit dem Lehrer und Verweis auf Impffreiheit war dann angesagt und das zweimal, dann durfte die Tochter mit.
Ich finde da ist noch großer Aufklärungsbedarf und ich finde es toll, dass Du das Thema ansprichst. Heute geht man schon offener damit um, wie noch vor zwanzig Jahren.
LG zu Dir
Manu

Liebe Manu, ganz lieben Dank für das Teilen deiner unterschiedlichen Erfahrungen. Zum Glück konntet ihr die Impfreaktionen deines Sohnes abmildern und es ist schön zu lesen, dass es ihm heute wieder gut geht. Dass du dich dennoch nicht gänzlich gegen das Impfen entschieden hast, teilt meine Sichtweise auf die Notwendigkeit einer guten und umfassenden Beratung durch die Ärzte, auf die wir laut Patientenrechtegesetzgebung ein Recht haben, um dann eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen zu können. In meinem und so auch in deinem Fall ist dies der Wunsch des risikoorientiertes Impfens.

Liebe Sina,
ich fühlte mich seinerzeit (vor fast 25 Jahren kam meine Tochter zur Welt) auch zwischen den verschiedenen Meinungen und meinem eigenen Gefühl hin- und hergerissen. Und Jana ist übrigens auch seit kurz nach ihrem ersten Geburtstag Neurodermitikerin. Wir haben sowohl in Sachen Impfung als auch in Sachen Neurodermitisbehandlung einen komplizierteren, aber vermutlich gesünderen Weg eingeschlagen als den, der offiziell empfohlen wird und der auch meiner Meinung nach zu heftig ist. Zum Teil hat uns dabei ebenfalls eine gute Kinderärztin unterstützt, zum Teil mussten wir uns selber durchkämpfen.Jetzt ist Jana eine junge Frau und trifft ihre Entscheidungen selbst. Für ihre Haut isst sie weiterhin Nachtkerzenölkapseln und hat die Neurodermitis damit sehr gut im Griff…
Ich wünsche euch weiterhin viel Gesundheit und gute Entscheidungen. Es wird einem heute oft nicht leicht gemacht, ein gutes Elterngefühl zu haben…
Herzlichst, Traude
http://rostrose.blogspot.co.at/2018/01/warm-in-strick-matsch-wandern-in-wei.html

Liebe Sina – bei diesem Thema scheiden sich ja die Geister. Ich bin geimpft und habe meine Kinder geimpft aber mit Bedacht und vielen Gedanken dazu. Als Lehrerin bin ich froh, dass ich einen Impfschutz habe gegen gewisse Krankheiten, denn in den letzten Jahren gab es vermehrt wieder einen Anstieg von Krankheiten wie Masern und Mumps. Beides Krankheiten, vor denen ich grossen Respekt habe. Schlussendlich ist es wichtig, dass wir mehrere Meinungen einholen und uns darüber austauschen. Einen Kinderarzt zu finden, dem man vertraut hilft hier enorm. Dass du so offen über das Thema schreibst, finde ich klasse, so ein Austausch ist wichtig.
heitere Grüsse Britta

Liebe Traude, ich freue mich sehr, dass dir und deiner Tochter durch deine Entscheidung als Mama, die vielleicht entgegen der Norm und der offiziellen Empfehlung war, aber gerade deshalb – so bin ich sicher – sehr reiflich durchdacht, ein milder Verlauf der Neurodermitis gelungen ist und Jana ihre Haut heute ohne Cortison im Griff hat. Es macht Mut, dies zu lesen, da du mir in deiner Erfahrung weit voraus bist. Danke dir sehr.

Liebe Britta, auch dir danke ich von Herzen für dein Feedback. Ich habe wirklich sehr lange überlegt, ob ich diesen Text tatsächlich veröffentliche, weil ich keinen Streit „ja oder nein“ entfachen wollte. Ich hatte auf eine vorurteilsfreie Diskussion gehofft und es ist schön zu sehen, dass dies möglich ist. Du sprichst einen ganz wichtigen Punkt an – ich glaube auch, dass verschiedene Berufsgruppen unterschiedlichen Risiken ausgesetzt sind und kann deine Entscheidung „Für“ sehr gut nachvollziehen, denn als Lehrerin bist du bestimmt von besonders vielen Krankheitserregern umgeben. Und bei den Kleinen ist in meinen Augen auch der Zeitpunkt der Fremdbetreuung ein ganz wichtiger Punkt. Wir haben mit der Grundimmunisierung bis zum ersten Geburtstag gewartet, aber unsere Tochter ist auch erst mit 2,5 Jahren das erste Mal in einem öffentlichen Kiga gewesen und hat zuvor keine Krippe besucht. Ich wünsche dir viel Gesundheit und wissenshungrige Schüler und weiterhin ganz viel Freude an deinem tollen Beruf. Sina

Liebe Sina!

Ich finde deinen Bericht einfach klasse.
Da ich selbst impfkritisch bin und mich Jahre lang mit dem Impf-Thema beschäftigt habe, kann ich nur hoffen, dass es bei einer freien Impfentscheidung in Deutschland bleiben wird.
Meine Tochter würde 2011 gegen Tetanus geimpft und hatte furchtbare Nebenwirkungen. Eine davon war, dass sie plötzlich ständig, aus dem Nichts heraus, hingefallen ist, tagelang wie ein nasser Sack kreidebleich in den Seilen hing. Sie war bereits fast zwei Jahre alt und konnte vorher sehr sicher laufen, hinterher nicht mehr.
Zum Glück legte sich das nach einigen Wochen wieder aber ich werde es nie vergessen.
Auch als sie am Tag der Impfung aus dem Mittagsschlaf nicht mehr aufwachen wollte und ich sie bleich und mit kaum hörbarer, flacher Atmung nach drei Stunden weil ich das komische Gefühl hatte, sie wacht sonst nie wieder auf. Nie schlief sie mittags länger als 1,5 Stunde.

Ich selbst hatte als Kind Mumps, Röteln und Windpocken und wenn ich zurück denke, war es für mich nicht schlimmer als eine „normale“ Grippe.
Meine Mutter hatte als Kind Masern und es auch unbeschadet überlebt.
Ich denke heute wird vieles dramatisiert, was die Krankheiten betrifft. Warum zB. werden die Angst machenden Flyer und das hochloben der unzähligen Impfungen von den Pharmakonzernen gedruckt und nicht von Ärzten etc.?

Von den Nebenwirkungen oder Langzeitfolgen wird nicht gesprochen und ich bin mir sicher, davon gibt es sehr viel mehr als wir denken.
Natürlich habe auch ich Bedenken und Respekt vor den potentiellen Krankheiten und hätte sie vielleicht noch geimpft wenn sie in den Kindergarten gekommen wäre, aber
die Reaktion auf die Tetanus Impfung hat mich dermaßen geschockt, dass meine Angst vor einem Impfschaden größer wurde als vor einer der Krankheiten.
Bei meinen Tieren habe ich ebenfalls schlechte Erfahrungen gemacht diesbezüglich, drei geimpfte Tiere haben Schäden davon getragen und das andere ohne, ist das blühende Leben und noch nie krank gewesen. Auch das lässt in mir Zweifel aufkommen, was einem da von einer PharmaINDUSTRIE versprochen wird.

Meine Tochter ist heute acht Jahre alt, sehr gesund, brauchte bisher nur ein einziges Mal ein Antibiotikum und hatte nur ein einziges Mal eine leicht verlaufende Magen-Darm-Grippe in ihrem bisherigen Leben, ansonsten nur normal verlaufende leichte Infekte ohne Komplikationen, wobei das Langzeitstillen evtl. den größten Teil dazu beigetragen hat.

Ich finde jeder sollte es eigenverantwortlich entscheiden dürfen und jeder hat seine berechtigten Gründe.

Und wie oft sterben oder verletzen sich Menschen bei Verkehrsunfällen?? Die Gefahr ist um ein vielfaches höher aber das nehmen die Leute gerne in Kauf….

Hallo Cindy, ich danke dir für deine lieben und sehr ausführlichen Zeilen und lese aus jeder einzelnen, wie sehr dich das Thema und die damit gemachten Erfahrungen auch Jahre später noch beschäftigen. Zum Glück geht es deiner Tochter heute wieder gut. Ich glaube in einem Punkt sind wir uns hier alle einig – wir wollen das Beste für unsere Kinder. Ich konnte glücklicherweise nie eine direkte Impfreaktion bei unserer Tochter beobachten – wie groß muss deine Angst bei den beschriebenen Reaktionen gewesen sein. Leider wissen wir einfach nicht so genau, was alles in den Impfstoffen mit enthalten ist – ich zumindest habe noch nie einen Beipackzettel zu sehen bekommen. Dein Beitrag macht mich auf jeden Fall auch wieder sehr nachdenklich.

Liebe Sina,

Heute könnte man ein Baby gegen Lungenentzüngserreger (pneumokokken) impfen. Vielleicht auch ein Baby unter 3Monaten. Das hätte unserem Spatzenkind damals das Leben gerettet.
Auf der Station lag damals ein Kleinkind mit Keuchhusten. Aus Überzeugung der Eltern nicht geimpft, war es nun lebensbedrohlich erkrankt.
Ich bin für Impfungen im gesunden Mass, Windpocken habe ich nicht impfen lassen. Und der Mann meiner Freundin – er kommt aus Sri Lanka – wurde schwerst krank. Wochenlang.
Das Impfthema ist schwer durchdiskutiert . Wir haben geimpft. Trotzdem geht das Gerücht, das Spatzenkind wäre eben gestorben, weil wir nicht geimpft hätten…
Man kann es nie jemandem recht machen. Nur sich selber.
Ich finde den Weg, den ihr mit Mariechen macht, gut.
Herzlichst
yase

Liebe Yase, ich bin sehr betroffen. Sehr. Ich schreib dir noch eine private Nachricht.